Debut-CD “COLLIE/////electric” VÖ: 08. Juni 2007

COLLIEelectric

“Was haben eine ehemalige Zigarrenmarke, ein Fernsehhund und ein Familien-Collie namens Sascha, der das Autofahren nicht vertrug, gemeinsam? Sie alle trugen zur Namensfindung der neuen Band von Markus Maria Jansen bei, bekannt als Kopf- und Frontperson des niederrheinischen Quartetts Jansen: COLLIEelectric. Hier ist ihre erste Platte.

Angefangen hat es dort, wo es meistens anfängt: in der Vergangenheit. Genauer gesagt bei M. Walking On The Water, deutsche Indierock-Legende seit 1985, zu deren Gründungspersonal der Jansen ebenfalls gehörte. In jenen seligen Tagen des Postpunk entkam hierzulande eigentlich niemand ihren kratzig-angefolkten, in ausreichendem Englisch getexteten Rockliedern, nicht zuletzt auch wegen ihrer exorbitanten Cover- und Pressefotos: Blumenmeere, rote Stoffmeilen, Elefanten, Balkenköpfe. [Sonst mal bei www.fuego.de/mww reinschauen, das macht Aha und funktioniert noch immer.] Seit die Kultband 1997 nach neun Alben vielbeweint auseinander ging, hatte MM hatte noch so einiges an Songs rumfliegen, mit denen wir nie was gemacht hatten. Und bevor das nun alles verloren ging, dachte ich, dann mache ich eben jetzt was damit.

Gesagt, getan. Strom rein, Trompete raus, aus Jansen wurde Collie: Philipp Lethen tauscht Kontra- gegen E-Bass, Schlagzeuger André Hasselmann macht, was ein Schlagzeuger macht, Markus Maria singt und spielt Gitarre. Eine astreine, nach Schmutz und Leben riechende Promenadenmischung mit viel Charakter, die man gern um sich hat. So was Rudimentäres hab ich vorher noch nie gemacht, meint der Sänger zum Thema Trio, - ist ja auch nur so groß! Bei Jansen ist halt immer die Trompete dabei oder bei M Walking war’s die schöne Geige, auf die man sich verlassen konnte. Hier müssen allein die Songs bestehen.

Auf die Formel Collie = Jansen + Strom mag MM sich im Hinblick auf das theater-/chansonhafte seiner anderen Band trotz allem nicht einlassen: Rockmusik. Mal wieder bisschen lauter sein. Die Texte? Nichts Sspezielles. Will meinen: was es so gibt und gäbe im Leben. Gott im Werkzeugschuppen, Münzen im Brunnen. Ein lila Mond, Misery, Poison, Liebe, Liebe und nochmals Liebe. Die englische Aussprache lässt sich durchaus als deutschlassig bezeichnen.

12 neue alte Songs und 4 Klassiker aus dem alten M-Walking-Repertoire hat das Trio ohne viel Gedöns in MMs Homestudio Dachapparat aufgenommen, und es klingt, als hätte man die Band bei sich zu Hause. Runder, klarer Bass, ein gut koordinierter Haufen Trommeln, scheppernde, ungewaschene Gitarrensounds, eine gute alte Honeyton-Gitarre mit Lipstick-Tonabnehmern über einen 5-Watt-Batterieverstärker für die knappen Soli, der typisch nachlässige Bohemian-Bariton von Markus und keine Effekte. Dass Bob Dylan, Tom Waits, James Taylor, Hanns-Dieter Hüsch und die Pixies hier Pate gestanden haben könnten, wird nur der entdecken, der danach sucht. Es ist ohnehin egal. Songs und Band bestehen leicht so, wie sie da sind. Wäre Regisseur und Dogma-Erfinder Lars Von Trier (Dogville) Plattenproduzent, dann würden seine Produktionen ähnlich klingen: karg, echt, unverstellt, ohne Effekte.

Bei Collie-Konzerten wiederum wird’s auch wieder was fürs Auge geben. Drei Heiligenscheine aus runden Leuchtstoffröhren und derlei mehr soll gesehen worden sein.”

ROLF JÄGER

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